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Beleihungswert: Welche Unterlagen braucht man?

Damit die Bank den Beleihungswert Ihrer Immobilie ermitteln kann, benötigt sie zahlreiche Unterlagen – von Grundbuch bis Grundriss. Ein Überblick, was wirklich wichtig ist.

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Beleihungswert: Welche Unterlagen braucht man?

Der Beleihungswert ist eine zentrale Kennzahl bei der Baufinanzierung und beim Immobilienkauf. Er beschreibt, welchen Wert die Bank der Immobilie langfristig zugesteht und damit, wie hoch das Darlehen im Verhältnis zum Kaufpreis ausfallen kann. Um diesen Wert zuverlässig zu berechnen, benötigt die Bank eine Vielzahl von Unterlagen – je vollständiger und aktuell diese sind, desto schneller und genauer fällt die Wertermittlung aus. In diesem Ratgeber werden die wichtigsten Unterlagen vorgestellt, die für die Ermittlung des Beleihungswerts benötigt werden, und erklärt, warum sie jeweils relevant sind.

Was ist der Beleihungswert – und warum sind Unterlagen so wichtig?

Der Beleihungswert ist der von der Bank ermittelte, langfristig gesicherte Wert einer Immobilie. Er berücksichtigt mögliche Wertschwankungen und enthält einen Sicherheitsabschlag, weshalb er in der Regel niedriger liegt als der aktuelle Marktwert (Verkehrswert). Rechtlich darf der Beleihungswert nicht über dem Verkehrswert liegen, was in der Beleihungswertermittlungsverordnung geregelt ist. Die Bank nutzt diesen Wert, um zu entscheiden, wie viel Kredit sie maximal bereitstellt und welche Konditionen sie anbietet.

Damit der Gutachter oder die Bank den Beleihungswert korrekt berechnen kann, braucht sie eine fundierte Basis. Dazu gehören Informationen zur Lage, zur baulichen Beschaffenheit, zur Nutzung und zu rechtlichen Verhältnissen. Fehlen wichtige Unterlagen, kann die Wertermittlung verzögert werden oder der Beleihungswert wird konservativer angesetzt – was wiederum den Eigenkapitalbedarf erhöht. Deshalb lohnt es sich, die relevanten Dokumente frühzeitig zu sammeln.

Grundbuchauszug und Lageplan

Der Grundbuchauszug ist eines der wichtigsten Dokumente für die Beleihungswertermittlung. Er zeigt, wer Eigentümer ist, ob Lasten und Beschränkungen wie Grundschulden, Hypotheken, Vorkaufsrechte oder Dienstbarkeiten bestehen und ob das Grundstück belastet ist. Für die Bank ist entscheidend, ob die Immobilie frei von unklaren Rechten ist und ob sie als Sicherheit für ein Darlehen geeignet ist.

Zusätzlich wird häufig ein Lageplan oder eine Liegenschaftskarte benötigt. Diese zeigt die genaue Lage des Grundstücks, die Erschließung (z.B. Anschluss an Wasser, Strom, Kanal) sowie die Umgebung. Aus der Lage ergeben sich Hinweise auf die Werthaltigkeit: z.B. ob die Immobilie in einem reinen Wohngebiet, in einem Mischgebiet oder in einem Gebiet mit besonderen Einschränkungen liegt. Typische Unterlagen in diesem Bereich sind:

  • Grundbuchauszug (nicht älter als 6 Monate oder mit Aktualitätsnachweis)
  • Lageplan oder Liegenschaftskarte aus dem Kataster
  • Kataster- oder Flurkarte mit Grundstücksnummer und -größe
  • Informationen zu bestehenden Grunddienstbarkeiten oder Vorkaufsrechten

Grundrisse, Baubeschreibung und Exposé

Für die Wertermittlung ist die bauliche Beschaffenheit der Immobilie entscheidend. Dazu gehören Grundrisse, Baubeschreibung und ein Exposé oder eine Objektbeschreibung. Die Grundrisse zeigen die Aufteilung der Wohn- und Nutzflächen, die Anzahl der Zimmer, die Lage von Küche, Bad und Nebenräumen sowie den Grundriss von Garage, Carport oder Nebengebäuden. Sie bilden die Grundlage für die Berechnung der Wohnfläche und damit für die Bewertung.

Die Baubeschreibung oder das Exposé liefert weitere Details zur Ausstattung, zum Baujahr, zur Dämmung, zu Heizung, Fenstern und Sanierungen. Je detaillierter diese Unterlagen sind, desto genauer kann der Gutachter den Sachwert ermitteln. Typische Dokumente sind:

  • Grundrisse aller Etagen (Wohnung oder Haus)
  • Baubeschreibung mit Angaben zu Baujahr, Dämmung, Heizung, Fenstern
  • Exposé oder Objektbeschreibung mit Fotos und Ausstattungsmerkmalen
  • Angaben zu Umbauten, Anbauten, Erweiterungen oder Modernisierungen

Unterlagen zur Flächenberechnung und zum Energieausweis

Die Wohn- und Nutzfläche ist ein zentraler Faktor bei der Wertermittlung. Die Bank benötigt eine nachvollziehbare Berechnung der Wohnfläche, die sich an der Wohnflächenverordnung orientiert. Dazu gehören Grundrisse mit Flächenangaben, ggf. eine Flächenberechnung durch einen Gutachter oder Architekten. Für Eigentumswohnungen ist zusätzlich die Angabe der Sondereigentumsfläche und der Anteile an Gemeinschaftseigentum wichtig.

Der Energieausweis ist ebenfalls relevant, da er Aufschluss über den energetischen Zustand der Immobilie gibt. Ein niedriger Energiebedarf wirkt sich positiv auf die Werthaltigkeit aus, während ein schlechter Energieausweis den Beleihungswert drücken kann. Wichtige Unterlagen in diesem Bereich sind:

  • Flächenberechnung nach Wohnflächenverordnung (Wohnfläche, Nutzfläche, Gesamtfläche)
  • Energieausweis (Bedarfs- oder Verbrauchsausweis)
  • Angaben zu Sanierungen oder Modernisierungen (z.B. neue Heizung, Dämmung, Fenster)
  • Unterlagen zu Umbauten, die die Fläche verändert haben

Unterlagen zu Mieteinnahmen und Nutzung

Bei vermieteten Immobilien spielt der Ertragswert eine wichtige Rolle. Die Bank möchte wissen, welche Mieteinnahmen langfristig erzielbar sind. Dazu werden Mietverträge, Mietspiegel, Leerstandszeiten und Informationen zu bestehenden Mietverhältnissen benötigt. Je nach Verfahren (Ertragswertverfahren) wird der Beleihungswert aus dem nachhaltig erzielbaren Nettoertrag abgeleitet.

Auch bei selbstgenutzten Immobilien ist die Nutzung wichtig: z.B. ob es sich um ein reines Wohnhaus, ein gemischt genutztes Gebäude oder ein Objekt mit Gewerbeanteil handelt. Typische Unterlagen sind:

  • Mietverträge und aktuelle Mietkonditionen
  • Mietspiegel oder Vergleichsmieten aus der Umgebung
  • Angaben zu Leerstandszeiten und Sanierungsrückständen
  • Informationen zur Nutzung (Wohnen, Gewerbe, gemischt)

Unterlagen zu Bauplänen, Sanierungen und Modernisierungen

Bei Sanierungen, Modernisierungen, Umbauten oder Erweiterungen (z.B. Anbau, Carport, Garage, Aufstockung) sind die entsprechenden Baupläne und Genehmigungen wichtig. Sie zeigen, ob die Maßnahmen rechtmäßig durchgeführt wurden und wie sie den Wert der Immobilie beeinflussen. Unvollständige oder nicht genehmigte Baumaßnahmen können den Beleihungswert mindern.

Auch bei älteren Gebäuden sind Unterlagen zu durchgeführten Sanierungen (z.B. Dachsanierung, Fassadendämmung, Heizungstausch) relevant, da sie die Werthaltigkeit verbessern. Wichtige Dokumente sind:

  • Baupläne und Genehmigungen für Umbauten, Anbauten oder Erweiterungen
  • Unterlagen zu Sanierungen und Modernisierungen (Rechnungen, Baubeschreibungen)
  • Nachweise zu energetischen Maßnahmen (z.B. Dämmung, neue Heizung)
  • Informationen zu nicht genehmigten oder unvollständigen Baumaßnahmen

Versicherungen, Nebenkosten und Kaufnebenkosten

Die Bank möchte wissen, welche laufenden Kosten mit der Immobilie verbunden sind. Dazu gehören Versicherungen (z.B. Gebäudeversicherung, Haftpflicht), Nebenkosten (z.B. Hausgeld bei Eigentumswohnungen) und Kaufnebenkosten (z.B. Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Maklercourtage). Diese Informationen fließen indirekt in die Wertermittlung ein, da sie die Belastbarkeit und die Attraktivität der Immobilie beeinflussen.

Bei der Berechnung des Beleihungsauslaufs werden Kaufpreis, Kaufnebenkosten und Eigenkapital berücksichtigt. Je höher die Nebenkosten, desto höher der Fremdkapitalbedarf – und damit der Beleihungsauslauf. Typische Unterlagen sind:

  • Versicherungsverträge (Gebäudeversicherung, Haftpflicht, etc.)
  • Nebenkostenabrechnungen oder Hausgeldnachweise
  • Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Maklercourtage)
  • Angaben zu laufenden Kosten (z.B. Grundsteuer, Versorgungskosten)

Unterlagen zur Verkehrswert- und Vergleichswertberechnung

Der Beleihungswert wird häufig aus dem Verkehrswert abgeleitet, der wiederum mit dem Vergleichswertverfahren ermittelt wird. Dazu werden vergleichbare Objekte in der Umgebung herangezogen. Die Bank benötigt daher Informationen zu ähnlichen Immobilien, z.B. Kaufpreise, Lage, Ausstattung und Zustand. Je mehr Vergleichsobjekte verfügbar sind, desto genauer kann der Verkehrswert bestimmt werden.

In manchen Fällen stellt der Gutachter selbst eine Vergleichswertanalyse an. Für den Kreditantrag sind jedoch bereits erste Hinweise hilfreich. Wichtige Unterlagen sind:

  • Informationen zu vergleichbaren Objekten in der Umgebung (Kaufpreise, Lage, Ausstattung)
  • Angaben zu Verkaufs- oder Angebotspreisen ähnlicher Immobilien
  • Unterlagen zu besonderen Merkmalen (z.B. Garten, Balkon, Stellplatz)
  • Hinweise auf besondere Lagefaktoren (z.B. Nähe zu Schule, ÖPNV, Gewerbegebiet)

Fazit

Die Ermittlung des Beleihungswerts ist ein zentraler Schritt bei der Baufinanzierung und beim Immobilienkauf. Je vollständiger und aktuell die Unterlagen sind, desto genauer und schneller kann der Gutachter arbeiten. Grundbuchauszug, Lageplan, Grundrisse, Baubeschreibung, Energieausweis, Mietverträge, Baupläne und Versicherungsunterlagen bilden die Basis für eine fundierte Wertermittlung. Wer diese Dokumente frühzeitig sammelt und bereitstellt, erleichtert die Finanzierung und kann unter Umständen einen höheren Beleihungswert und damit bessere Konditionen erreichen.

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