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Beleihungsauslauf: Bedeutung und Praxis

Der Beleihungsauslauf zeigt, wie stark eine Immobilie mit einem Kredit belastet ist – je niedriger, desto günstiger die Konditionen und die Zinsen.

6 min Lesezeit
Beleihungsauslauf: Bedeutung und Praxis

Beim Thema Baufinanzierung begegnet vielen Interessierten der Begriff „Beleihungsauslauf“ – und das oft ohne klare Vorstellung, was sich dahinter verbirgt. Tatsächlich ist diese Kennzahl für Banken ein zentraler Indikator, um das Risiko einer Immobilienfinanzierung einzuschätzen. Sie beeinflusst, ob ein Kredit überhaupt genehmigt wird, wie hoch der Zinssatz ausfällt und welche Sicherheiten die Bank verlangt. In diesem Ratgeber wird der Beleihungsauslauf verständlich erklärt, seine Bedeutung für die Praxis aufgezeigt und anhand konkreter Beispiele verdeutlicht, wie sich dieser Wert auf die eigene Finanzierung auswirkt.

Was ist der Beleihungsauslauf?

Der Beleihungsauslauf ist eine Prozentzahl, die angibt, wie hoch der Kredit im Verhältnis zum Beleihungswert der Immobilie ist. Er wird auch als Loan-to-Value (LTV) bezeichnet und ist eine zentrale Kennzahl im Immobilienkreditgeschäft. Je höher der Beleihungsauslauf, desto stärker ist die Immobilie mit Fremdkapital belastet und desto größer das Risiko für die Bank, falls der Kreditnehmer die Raten nicht mehr zahlen kann.

Der Beleihungsauslauf wird aus der Summe aller Darlehen einer Baufinanzierung und dem von der Bank festgelegten Beleihungswert berechnet. Anders als der Kaufpreis oder der Marktwert liegt der Beleihungswert in der Regel niedriger, weil Banken bei der Wertermittlung vorsichtiger kalkulieren. Dadurch ergibt sich ein realistischeres Bild der Sicherheit, die die Immobilie für den Kredit bietet.

  • Der Beleihungsauslauf ist der prozentuale Anteil des Kreditbetrags am Beleihungswert.
  • Er zeigt, wie stark die Immobilie als Sicherheit belastet ist.
  • Je niedriger der Wert, desto geringer das Risiko für die Bank.
  • Er beeinflusst Zinsen, Tilgung und die Genehmigung des Kredits.
  • Er wird für alle Darlehen einer Finanzierung gemeinsam berechnet.

Berechnung des Beleihungsauslaufs

Die Berechnung des Beleihungsauslaufs ist mathematisch einfach, aber in der Praxis entscheidend für die Konditionen. Die Formel lautet: Beleihungsauslauf = (Summe aller Darlehen / Beleihungswert) × 100. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die angibt, wie viel Prozent des Beleihungswerts durch Kredite abgedeckt sind.

Beispiel: Eine Immobilie hat einen Beleihungswert von 300.000 Euro. Die geplante Baufinanzierung umfasst ein Darlehen über 180.000 Euro. Der Beleihungsauslauf beträgt dann (180.000 / 300.000) × 100 = 60 Prozent. Das bedeutet, die Immobilie ist zu 60 Prozent mit Fremdkapital belastet, während 40 Prozent durch Eigenkapital oder andere Sicherheiten abgedeckt sind.

  • Summe aller Darlehen durch Beleihungswert teilen.
  • Ergebnis mit 100 multiplizieren, um den Prozentsatz zu erhalten.
  • Beispiel: 180.000 Euro Kredit bei 300.000 Euro Beleihungswert = 60 %.
  • Je höher der Kreditbetrag, desto höher der Beleihungsauslauf.
  • Je niedriger der Beleihungswert, desto höher der Beleihungsauslauf.

Beleihungswert vs. Kaufpreis

Ein häufiger Irrtum ist, den Beleihungsauslauf am Kaufpreis der Immobilie zu berechnen. In der Praxis verwendet die Bank jedoch den Beleihungswert, der oft unter dem Kaufpreis liegt. Der Beleihungswert wird nach gesetzlichen Vorgaben und internen Richtlinien ermittelt und berücksichtigt Lage, Zustand, Nutzung und Marktentwicklung.

Beispiel: Der Kaufpreis einer Wohnung beträgt 350.000 Euro, der Bank zufolge liegt der Beleihungswert jedoch bei 300.000 Euro. Ein Kredit über 240.000 Euro ergibt einen Beleihungsauslauf von 80 Prozent (240.000 / 300.000 × 100). Würde man den Kaufpreis als Basis nehmen, käme man auf 68,6 Prozent – ein deutlich optimistischeres Bild, das die Bank nicht akzeptiert.

  • Beleihungswert ist meist niedriger als Kaufpreis.
  • Er wird von der Bank nach festen Kriterien ermittelt.
  • Er berücksichtigt Lage, Zustand und Marktentwicklung.
  • Die Bank nutzt den Beleihungswert für die Risikobewertung.
  • Der Beleihungsauslauf wird immer auf Basis des Beleihungswerts berechnet.

Einfluss auf Zinsen und Konditionen

Der Beleihungsauslauf ist ein zentraler Faktor für die Festlegung der Zinsen. Je niedriger der Wert, desto geringer das Risiko für die Bank und desto günstiger die Konditionen. Ein Beleihungsauslauf von 60 Prozent oder darunter gilt in der Regel als sehr gut, während Werte über 80 Prozent als riskant eingestuft werden.

Beispiel: Zwei Kreditnehmer planen jeweils eine Finanzierung mit 200.000 Euro. Kreditnehmer A hat einen Beleihungsauslauf von 50 Prozent, Kreditnehmer B von 80 Prozent. Die Bank bietet A einen niedrigeren Zinssatz, weil die Immobilie stärker durch Eigenkapital abgesichert ist. B muss mit einem höheren Zinssatz rechnen, da das Risiko für die Bank größer ist.

  • Niedriger Beleihungsauslauf = günstigere Zinsen.
  • Hoher Beleihungsauslauf = höhere Zinsen.
  • Werte unter 60 % gelten als sehr gut.
  • Werte über 80 % gelten als riskant.
  • Die Bank passt die Konditionen an das Risiko an.

Risiko für Bank und Kreditnehmer

Der Beleihungsauslauf spiegelt das Risiko wider, das die Bank bei einer Immobilienfinanzierung eingeht. Ein hoher Wert bedeutet, dass der Kreditbetrag nahe am Beleihungswert liegt. Fällt der Immobilienwert, besteht die Gefahr, dass die Sicherheit nicht mehr ausreicht, um den Kredit zu decken. Das erhöht das Ausfallrisiko für die Bank.

Für den Kreditnehmer bedeutet ein hoher Beleihungsauslauf, dass er weniger Puffer hat. Steigen die Zinsen oder sinkt das Einkommen, kann die Belastung schnell untragbar werden. Zudem kann die Bank bei einem hohen Beleihungsauslauf zusätzliche Sicherheiten oder eine höhere Tilgung verlangen, um das Risiko zu reduzieren.

  • Hoher Beleihungsauslauf = höheres Risiko für die Bank.
  • Niedriger Beleihungsauslauf = geringeres Risiko.
  • Hoher Wert kann zusätzliche Sicherheiten erfordern.
  • Niedriger Wert bietet mehr finanziellen Puffer.
  • Risiko beeinflusst Zinsen und Tilgung.

Praktische Tipps zur Optimierung

Um den Beleihungsauslauf zu senken, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Die einfachste Möglichkeit ist, mehr Eigenkapital einzubringen. Dadurch sinkt der Kreditbetrag im Verhältnis zum Beleihungswert. Auch die Auswahl einer Immobilie mit einem hohen Beleihungswert kann helfen, da der Wert die Basis für die Berechnung bildet.

Beispiel: Ein Kreditnehmer plant eine Finanzierung von 250.000 Euro bei einem Beleihungswert von 300.000 Euro. Der Beleihungsauslauf liegt bei 83,3 Prozent. Bringt der Kreditnehmer 50.000 Euro Eigenkapital ein, sinkt der Kredit auf 200.000 Euro und der Beleihungsauslauf auf 66,7 Prozent – ein deutlich günstigerer Wert.

  • Mehr Eigenkapital einbringen, um den Kreditbetrag zu senken.
  • Immobilie mit hohem Beleihungswert wählen.
  • Zusätzliche Sicherheiten prüfen, falls nötig.
  • Tilgung erhöhen, um den Kredit schneller zu reduzieren.
  • Finanzierungsstruktur mit Berater besprechen.

Beleihungsauslauf in der Praxis

In der Praxis wird der Beleihungsauslauf von Banken routinemäßig geprüft, bevor ein Kredit genehmigt wird. Er fließt in das Kreditscoring ein und beeinflusst die Entscheidung, ob der Antrag angenommen wird. Ein zu hoher Wert kann dazu führen, dass die Bank den Kredit ablehnt oder zusätzliche Auflagen stellt.

Beispiel: Ein Kreditnehmer beantragt 280.000 Euro für eine Immobilie mit einem Beleihungswert von 300.000 Euro. Der Beleihungsauslauf liegt bei 93,3 Prozent. Die Bank lehnt den Antrag ab, da der Wert zu hoch ist. Der Kreditnehmer muss entweder mehr Eigenkapital einbringen oder eine andere Immobilie wählen, um den Beleihungsauslauf zu senken.

  • Bank prüft Beleihungsauslauf vor Genehmigung.
  • Zu hoher Wert kann Ablehnung bedeuten.
  • Bank kann zusätzliche Sicherheiten verlangen.
  • Wert beeinflusst Kreditscoring.
  • Kreditnehmer sollte Wert im Blick behalten.

Fazit

Der Beleihungsauslauf ist eine zentrale Kennzahl bei der Baufinanzierung, die das Risiko für Bank und Kreditnehmer misst. Er wird aus dem Verhältnis von Kreditbetrag und Beleihungswert berechnet und beeinflusst Zinsen, Tilgung und die Genehmigung des Kredits. Ein niedriger Wert bietet günstigere Konditionen und mehr Sicherheit, während ein hoher Wert das Risiko erhöht. Durch ausreichendes Eigenkapital und eine sorgfältige Auswahl der Immobilie kann der Beleihungsauslauf optimiert und die Finanzierung langfristig stabiler gestaltet werden.

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