Bausparvertrag: Wie lange dauert es?
Wie lange dauert es, bis ein Bausparvertrag für den Immobilienkauf oder eine Modernisierung bereitsteht? Ein Ratgeber zu Sparphase, Zuteilungsreife und Auszahlungsdauer.

Ein Bausparvertrag ist eine klassische Säule der Immobilienfinanzierung in Deutschland. Viele Käuferinnen und Käufer nutzen ihn, um Eigenkapital aufzubauen, Zinsen zu sichern und später ein günstiges Bauspardarlehen für den Hauskauf, eine Modernisierung oder einen Umbau zu erhalten. Doch eine der häufigsten Fragen lautet: Wie lange dauert es eigentlich, bis der Bausparvertrag greifbar wird – also bis das angesparte Guthaben und das Darlehen tatsächlich zur Verfügung stehen? In diesem Ratgeber beleuchten wir die verschiedenen Zeiträume, die bei einem Bausparvertrag eine Rolle spielen: von der Sparphase über die Zuteilungsreife bis hin zur Auszahlung und Nutzung für Bau- oder Wohnprojekte.
Die drei Phasen eines Bausparvertrags
Ein Bausparvertrag durchläuft in der Regel drei klar definierte Phasen: die Ansparphase, die Zuteilungsphase und die Darlehensphase. In der Ansparphase zahlt der Bausparer regelmäßig einen vereinbarten Betrag ein, um Eigenkapital aufzubauen. Diese Phase endet, wenn der Vertrag zuteilungsreif ist. In der Zuteilungsphase erhält der Bausparer das angesparte Guthaben inklusive Zinsen und kann das Bauspardarlehen in Anspruch nehmen. In der anschließenden Darlehensphase wird das Darlehen in festen Raten zurückgezahlt.
Die Dauer dieser Phasen ist nicht willkürlich, sondern durch den Vertrag und die Tarifbedingungen vorgegeben. Für die Immobilienfinanzierung ist vor allem die Zeit bis zur Zuteilungsreife entscheidend, da sie bestimmt, wann das Bauspardarlehen für den Kauf, Neubau oder die Modernisierung einer Immobilie genutzt werden kann.
- —Ansparphase: Regelmäßige Einzahlungen, Aufbau von Eigenkapital.
- —Zuteilungsphase: Erreichen der Zuteilungsreife, Auszahlung des Guthabens und Inanspruchnahme des Darlehens.
- —Darlehensphase: Rückzahlung des Bauspardarlehens in festen Raten.
Wie lange dauert die Sparphase?
Die Sparphase ist der Zeitraum, in dem der Bausparer regelmäßig Geld auf den Vertrag einzahlt, um das Mindestsparguthaben und die Bewertungszahl zu erreichen. Die Dauer dieser Phase hängt von mehreren Faktoren ab: der vereinbarten Bausparsumme, der Höhe der monatlichen Sparrate und den Tarifbedingungen der Bausparkasse. In der Regel beträgt die Sparphase mehrere Jahre, häufig zwischen etwa sechs und zehn Jahren.
Ein Beispiel: Bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro und einer monatlichen Sparrate von 250 Euro ergibt sich nach rund 7,5 Jahren ein Bausparguthaben von etwa 22.500 Euro. Das bedeutet, dass die Sparphase in diesem Fall etwa 7,5 Jahre dauert, bis das Mindestsparguthaben erreicht ist und der Vertrag zuteilungsreif wird.
- —Dauer der Sparphase: In der Regel mehrere Jahre, häufig 6–10 Jahre.
- —Einflussfaktoren: Bausparsumme, monatliche Sparrate, Tarifbedingungen.
- —Beispiel: 50.000 Euro Bausparsumme, 250 Euro monatliche Sparrate, ca. 7,5 Jahre Sparphase.
Mindestsparguthaben und Mindestsparzeit
Damit ein Bausparvertrag zuteilungsreif wird, müssen zwei Kriterien erfüllt sein: das Mindestsparguthaben und die Mindestsparzeit. Das Mindestsparguthaben liegt in der Regel bei etwa 30 bis 50 Prozent der vereinbarten Bausparsumme, je nach Tarif. Die Mindestsparzeit beträgt im Durchschnitt etwa 12 Monate, kann aber je nach Vertrag variieren.
Die Mindestsparzeit stellt sicher, dass der Vertrag nicht sofort nach Abschluss zuteilungsreif ist, während das Mindestsparguthaben den Anteil des Eigenkapitals festlegt, den der Bausparer selbst ansparen muss. Erst wenn beide Kriterien erfüllt sind, kann der Vertrag in die Zuteilungsphase übergehen.
- —Mindestsparguthaben: In der Regel 30–50 % der Bausparsumme.
- —Mindestsparzeit: Durchschnittlich etwa 12 Monate.
- —Zuteilungsreife: Erfüllung beider Kriterien erforderlich.
Die Rolle der Bewertungszahl
Neben dem Mindestsparguthaben und der Mindestsparzeit spielt die Bewertungszahl eine entscheidende Rolle bei der Zuteilungsreife. Die Bewertungszahl ergibt sich aus dem angesparten Guthaben und der Dauer der Sparphase. Je höher die Bewertungszahl, desto eher wird der Vertrag zuteilungsreif.
Die Bewertungszahl wird von der Bausparkasse berechnet und dient als Maßstab für die Zuteilung. Sie stellt sicher, dass Bausparer, die regelmäßig und über einen längeren Zeitraum sparen, bevorzugt werden. Die genaue Berechnung der Bewertungszahl ist tarifabhängig und wird in den Vertragsunterlagen erläutert.
- —Bewertungszahl: Maßstab für Zuteilungsreife.
- —Berechnung: Anhand von Guthaben und Sparphase.
- —Vorteil: Regelmäßige Sparer werden bevorzugt.
Wie lange dauert es bis zur Zuteilungsreife?
Die Zeit bis zur Zuteilungsreife hängt von der Kombination aus Bausparsumme, Sparrate, Mindestsparguthaben und Bewertungszahl ab. In der Praxis vergehen zwischen Vertragsabschluss und Zuteilungsreife je nach Tarif etwa acht bis zehn Jahre. In einigen Tarifen kann die Sparzeit jedoch auch kürzer oder länger sein.
Ein Beispiel: Bei einer Bausparsumme von 60.000 Euro und einer monatlichen Sparrate von 300 Euro ergibt sich nach etwa 8 Jahren ein Bausparguthaben von rund 28.800 Euro. Wenn das Mindestsparguthaben bei 40 % der Bausparsumme liegt, beträgt es 24.000 Euro. In diesem Fall wäre das Mindestsparguthaben nach etwa 6,7 Jahren erreicht, aber die Zuteilungsreife erst nach etwa 8 Jahren, wenn auch die Bewertungszahl ausreichend hoch ist.
- —Zeit bis Zuteilungsreife: In der Regel 8–10 Jahre.
- —Einflussfaktoren: Bausparsumme, Sparrate, Mindestsparguthaben, Bewertungszahl.
- —Beispiel: 60.000 Euro Bausparsumme, 300 Euro monatliche Sparrate, ca. 8 Jahre bis Zuteilungsreife.
Die Auszahlung nach Zuteilungsreife
Nach Erreichen der Zuteilungsreife erhält der Bausparer eine Mitteilung der Bausparkasse. In der Regel dauert es dann etwa 1 bis 2 Wochen, bis das angesparte Guthaben inklusive Zinsen auf das Konto überwiesen wird. Das Bauspardarlehen kann ebenfalls ausgezahlt werden, wenn der Verwendungszweck nachgewiesen ist.
Die Auszahlung ist zweckgebunden und muss für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendet werden, wie den Kauf einer Immobilie, den Neubau, eine Modernisierung oder einen Umbau. Der Bausparer muss entsprechende Nachweise wie Bauverträge, Rechnungen oder Kaufverträge vorlegen.
- —Zeit bis Auszahlung: In der Regel 1–2 Wochen nach Zuteilungsreife.
- —Zweckbindung: Wohnwirtschaftliche Zwecke wie Kauf, Neubau, Modernisierung.
- —Nachweise: Bauverträge, Rechnungen, Kaufverträge.
Die Sperrfrist bei vermögenswirksamen Leistungen
Wird ein Bausparvertrag auch nur teilweise mit vermögenswirksamen Leistungen finanziert, gilt eine Sperrfrist von sieben Jahren. Das bedeutet, dass das angesparte Geld nicht vorzeitig abgerufen werden kann. Auch Zinsen und Fördergelder können erst nach Ablauf der Sperrfrist ausgezahlt werden.
Die Sperrfrist gilt für Bausparverträge, die ab 2009 geschlossen wurden. Für Verträge, die bis zum 31.12.2008 abgeschlossen wurden, gibt es in Sonderfällen Ausnahmen. Ist der Bausparer jünger als 25 Jahre, kann er sich sein angespartes Geld jederzeit zum Immobilienkauf auszahlen lassen.
- —Sperrfrist: 7 Jahre bei vermögenswirksamen Leistungen.
- —Gültigkeit: Ab 2009 geschlossene Verträge.
- —Ausnahmen: Verträge bis 31.12.2008, Bausparer unter 25 Jahren.
Die Darlehensphase und Rückzahlungsdauer
Nach der Auszahlung des Bauspardarlehens beginnt die Darlehensphase. In dieser Phase zahlt der Bausparer das Darlehen in festen monatlichen Raten zurück. Die Laufzeit der Darlehensphase hängt von der Höhe des Darlehens, dem Zinssatz und der vereinbarten Tilgung ab.
Ein Beispiel: Bei einem Bauspardarlehen von 27.500 Euro und einer monatlichen Zins- und Tilgungsrate von 250 Euro beträgt die Tilgungsdauer etwa 11 Jahre. Die genauen Konditionen werden im Vertrag festgelegt und können je nach Tarif variieren.
- —Darlehensphase: Rückzahlung des Bauspardarlehens in festen Raten.
- —Laufzeit: Abhängig von Darlehenshöhe, Zinssatz und Tilgung.
- —Beispiel: 27.500 Euro Darlehen, 250 Euro monatliche Rate, ca. 11 Jahre Tilgungsdauer.
Fazit
Die Dauer eines Bausparvertrags ist ein entscheidender Faktor bei der Planung eines Immobilienprojekts. Von der Sparphase über die Zuteilungsreife bis zur Auszahlung und Rückzahlung des Darlehens können mehrere Jahre vergehen. Die genaue Zeitspanne hängt von der Bausparsumme, der Sparrate, den Tarifbedingungen und der Nutzung von vermögenswirksamen Leistungen ab. Wer frühzeitig plant und die Konditionen sorgfältig prüft, kann den Bausparvertrag optimal in die Finanzierung eines Hauskaufs, Neubaus oder einer Modernisierung integrieren.

