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Anschlusszinsbindung: Kosten im Überblick

Welche Kosten fallen bei einer Anschlusszinsbindung an? Wir zeigen, worauf es bei Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen ankommt und wie Sie sparen können.

7 min Lesezeit
Anschlusszinsbindung: Kosten im Überblick

Wenn die Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung ausläuft, steht die Frage im Raum: Wie teuer wird die Anschlusszinsbindung? Für viele Immobilieneigentümer ist dieser Schritt der erste Kontakt mit neuen Bauzinsen und zusätzlichen Kosten seit Jahren. In diesem Ratgeber erläutern wir, welche Kosten bei einer Anschlusszinsbindung typischerweise anfallen, wie sich Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen unterscheiden und welche Faktoren den Preis beeinflussen. So können Sie die Anschlussfinanzierung gezielt planen und unnötige Ausgaben vermeiden.

Was ist eine Anschlusszinsbindung?

Unter einer Anschlusszinsbindung versteht man die neue Sollzinsbindung, die nach Ablauf der ursprünglichen Zinsbindung Ihrer Baufinanzierung greift. Meist bleibt nach 10, 15 oder 20 Jahren noch eine Restschuld übrig, die weiter mit einem neuen Darlehen oder einer verlängerten Konditionenstruktur finanziert werden muss. Diese Fortsetzung der Finanzierung wird als Anschlussfinanzierung bezeichnet; die darin vereinbarte Zinsbindung ist die Anschlusszinsbindung.

Die Anschlusszinsbindung kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch eine Prolongation bei der Hausbank, eine Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut oder durch ein Forward-Darlehen, mit dem die Konditionen bereits vor Ablauf der alten Zinsbindung gesichert werden. Unabhängig von der gewählten Variante entstehen Kosten – sowohl in Form von Zinsen als auch von Nebenkosten und möglichen Vorfälligkeitsentschädigungen.

Typische Kostenarten bei der Anschlusszinsbindung

Bei der Anschlusszinsbindung lassen sich die Kosten grob in drei Kategorien einteilen: Zinsen, Nebenkosten und eventuelle Vorfälligkeitsentschädigungen. Die Zinsen machen in der Regel den größten Teil der Gesamtkosten aus, da sie über die gesamte Laufzeit der neuen Zinsbindung anfallen. Nebenkosten entstehen vor allem bei einer Umschuldung oder einem Forward-Darlehen, etwa für Gutachten, Notar, Grundschuldänderung oder Bearbeitungsgebühren. Vorfälligkeitsentschädigungen fallen an, wenn die alte Finanzierung vorzeitig abgelöst wird, obwohl die Zinsbindung noch nicht vollständig abgelaufen ist.

Zusätzlich können Bereitstellungszinsen anfallen, wenn die neue Finanzierung früher abgeschlossen wird als der alte Kredit endet. Diese Zinsen werden auf den noch nicht abgerufenen Teil des neuen Darlehens berechnet und können die Gesamtkosten deutlich erhöhen, wenn die bereitstellungsfreie Zeit zu kurz ist. Je nach Bank und Vertrag können auch Gebühren für eine Tilgungserhöhung oder eine Sondertilgung in der Anschlussphase anfallen.

  • Zinsen für die neue Sollzinsbindung
  • Nebenkosten (Gutachten, Notar, Grundschuldänderung, Bearbeitungsgebühren)
  • Vorfälligkeitsentschädigungen bei vorzeitiger Ablösung
  • Bereitstellungszinsen bei zu früher Kreditvergabe
  • Gebühren für Tilgungserhöhung oder Sondertilgung

Zinsen: Wie hoch sind die aktuellen Bauzinsen?

Die Höhe der Zinsen für die Anschlusszinsbindung hängt vor allem von der aktuellen Bauzinsentwicklung, der gewählten Zinsbindungsdauer und der Beleihung ab. In den letzten Jahren haben sich die Bauzinsen nach einem starken Anstieg wieder leicht abgeschwächt, bewegen sich aber weiterhin deutlich über dem Niveau der Niedrigzinsphase. Für eine 10-jährige Zinsbindung liegen die Bestzinsen je nach Beleihung und Bonität in der Regel im Bereich von rund 3,5 bis 4,0 Prozent pro Jahr.

Je höher die Beleihung – also das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert – desto höher fällt in der Regel der Zinssatz aus. Bei einer Beleihung von 80 Prozent sind die Zinsen meist etwas höher als bei 60 Prozent. Zusätzlich spielt die persönliche Bonität eine Rolle: Ein stabiles Einkommen, geringe weitere Schulden und ein guter Schufa-Score können zu günstigeren Konditionen führen. Beispiel: Bei einer Restschuld von 250.000 Euro und einem Zinssatz von 3,8 Prozent pro Jahr betragen die jährlichen Zinsen rund 9.500 Euro, bei 4,2 Prozent rund 10.500 Euro.

Prolongation bei der Hausbank: Kosten und Vorteile

Eine Prolongation bedeutet, dass die bestehende Baufinanzierung bei der Hausbank verlängert wird, ohne dass ein neuer Kreditgeber ins Spiel kommt. Die Abwicklung ist in der Regel einfach, da Bank und Kunde sich bereits kennen und oft keine neue Kreditprüfung erforderlich ist. Die Kosten fallen vor allem in Form der neuen Zinsen an; Nebenkosten wie Notar- oder Grundschuldgebühren entfallen meist, da die bestehende Grundschuld weitergenutzt wird.

Der Nachteil der Prolongation kann sein, dass die Hausbank nicht immer die günstigsten Marktkonditionen bietet. Zudem können bei einer Prolongation weniger flexible Konditionen vereinbart werden, etwa eine höhere anfängliche Tilgung oder eine kürzere Zinsbindung. Es lohnt sich daher, vor einer Prolongation mindestens ein bis zwei Angebote von anderen Banken oder Vermittlern einzuholen, um die Kosten der Anschlusszinsbindung realistisch einschätzen zu können.

  • Einfache Abwicklung ohne neue Grundschuld
  • Meist geringere Nebenkosten
  • Keine neue Kreditprüfung erforderlich
  • Möglicherweise weniger günstige Zinsen als am Markt
  • Weniger Verhandlungsspielraum bei Konditionen

Umschuldung zu einer anderen Bank: Mehr Aufwand, oft günstigere Zinsen

Bei einer Umschuldung wird die bestehende Baufinanzierung durch ein neues Darlehen bei einer anderen Bank abgelöst. Das Ziel ist in der Regel, günstigere Zinsen oder bessere Konditionen zu erhalten. Die Kosten fallen hier deutlich höher aus als bei einer Prolongation, da in der Regel ein neuer Kreditvertrag, eine neue Grundschuld und damit Notar- und Grundbuchgebühren anfallen. Zudem können Gutachten oder Bearbeitungsgebühren anfallen.

Ob sich eine Umschuldung lohnt, hängt vom Verhältnis zwischen den Einsparungen bei den Zinsen und den zusätzlichen Kosten ab. Beispiel: Wenn durch eine Umschuldung der Zinssatz um 0,5 Prozentpunkte gesenkt werden kann, aber die Nebenkosten 3.000 Euro betragen, muss die Einsparung über die Laufzeit der neuen Zinsbindung diese Kosten deutlich übersteigen. In der Regel lohnt sich eine Umschuldung, wenn die Zinseinsparung über mehrere Jahre hinweg die Nebenkosten übersteigt und die neue Laufzeit mindestens zehn Jahre beträgt.

  • Möglichkeit, deutlich günstigere Zinsen zu erhalten
  • Höhere Nebenkosten durch Notar, Grundschuld, Gutachten
  • Neue Kreditprüfung und Dokumentation erforderlich
  • Mehr Planungsaufwand und Abstimmung mit altem und neuem Kreditgeber
  • Potenziell bessere Konditionen und mehr Flexibilität

Forward-Darlehen: Zinsen frühzeitig sichern

Ein Forward-Darlehen ermöglicht es, die Konditionen für die Anschlusszinsbindung bereits bis zu mehreren Jahren vor Ablauf der alten Zinsbindung zu fixieren. Das ist besonders sinnvoll, wenn die Bauzinsen aktuell niedrig sind und ein Anstieg erwartet wird. Die Kosten setzen sich aus den vereinbarten Zinsen und eventuellen Bereitstellungszinsen zusammen, falls die neue Finanzierung früher bereitgestellt wird als der alte Kredit endet.

Der Vorteil eines Forward-Darlehens liegt in der Planungssicherheit: Sie wissen bereits Jahre im Voraus, wie hoch Ihre monatliche Rate in der Anschlussphase sein wird. Der Nachteil kann sein, dass Sie sich an einen Zinssatz binden, der sich später als zu hoch erweist, falls die Bauzinsen weiter sinken. Zudem können Bereitstellungszinsen anfallen, wenn die bereitstellungsfreie Zeit zu kurz ist. In der Praxis empfiehlt sich eine bereitstellungsfreie Zeit von mindestens sechs Monaten, um unnötige Zinsen zu vermeiden.

  • Sicherung aktuell niedriger Zinsen für die Anschlusszinsbindung
  • Planungssicherheit über mehrere Jahre
  • Mögliche Bereitstellungszinsen bei zu früher Kreditvergabe
  • Keine Chance auf noch günstigere Zinsen, falls Markt weiter sinkt
  • Empfehlung: mindestens sechs Monate bereitstellungsfrei

Vorfälligkeitsentschädigung und Bereitstellungszinsen

Bei einer vorzeitigen Ablösung der bestehenden Baufinanzierung fällt in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung an. Diese Entschädigung soll den Kreditgeber für den entgangenen Zinsausfall entschädigen, da das Darlehen früher zurückgezahlt wird als ursprünglich vereinbart. Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung hängt von der Restlaufzeit der Zinsbindung, dem vereinbarten Zinssatz und dem aktuellen Marktzins ab und kann je nach Fall mehrere Tausend Euro betragen.

Bereitstellungszinsen fallen an, wenn die neue Finanzierung früher bereitgestellt wird als der alte Kredit endet. Sie werden auf den noch nicht abgerufenen Teil des neuen Darlehens berechnet und betragen in der Regel um die 0,02 Prozent pro Monat. Bei einer hohen Restschuld können diese Zinsen über mehrere Monate hinweg erheblich werden. Um Bereitstellungszinsen zu vermeiden, sollte die neue Finanzierung so geplant werden, dass sie erst dann bereitgestellt wird, wenn der alte Kredit tatsächlich endet oder kurz davor.

Wie Sie die Kosten der Anschlusszinsbindung senken können

Um die Kosten der Anschlusszinsbindung zu senken, gibt es mehrere Ansatzpunkte. Zunächst sollte die aktuelle Bauzinsentwicklung genau beobachtet werden, um den richtigen Zeitpunkt für die Anschlussfinanzierung zu wählen. In Zeiten sinkender Zinsen kann es sinnvoll sein, mit der Anschlusszinsbindung zu warten oder ein Forward-Darlehen mit einer längeren bereitstellungsfreien Zeit abzuschließen. Zudem lohnt sich ein Vergleich mehrerer Angebote, um die günstigsten Konditionen zu finden.

Eine weitere Möglichkeit zur Kostensenkung ist die Reduzierung der Restschuld durch Sondertilgungen oder Tilgungserhöhungen vor Ablauf der Zinsbindung. Je niedriger die Restschuld, desto geringer fallen die Zinsen für die Anschlusszinsbindung aus. Zudem kann eine höhere anfängliche Tilgung die Gesamtlaufzeit verkürzen und die Zinsbelastung über die Jahre reduzieren. Schließlich sollten alle Nebenkosten genau geprüft werden, etwa durch Vergleich von Notar- und Gutachterkosten oder durch Verhandlung von Bearbeitungsgebühren.

  • Aktuelle Bauzinsen beobachten und richtigen Zeitpunkt wählen
  • Mehrere Angebote vergleichen (Hausbank, andere Banken, Vermittler)
  • Sondertilgungen oder Tilgungserhöhungen vor Zinsbindungsende nutzen
  • Höhere anfängliche Tilgung zur Laufzeitverkürzung wählen
  • Nebenkosten (Notar, Gutachten, Bearbeitungsgebühren) prüfen und vergleichen

Fazit

Die Anschlusszinsbindung ist ein wichtiger Schritt in der langfristigen Finanzierung einer Immobilie und kann je nach gewählter Variante deutlich unterschiedliche Kosten verursachen. Während eine Prolongation bei der Hausbank meist die einfachste und kostengünstigste Lösung ist, bieten Umschuldung und Forward-Darlehen die Chance, günstigere Zinsen oder mehr Planungssicherheit zu erhalten – allerdings mit höherem Aufwand und zusätzlichen Nebenkosten. Wer die verschiedenen Kostenarten versteht, die Bauzinsentwicklung beobachtet und mehrere Angebote vergleicht, kann die Anschlusszinsbindung gezielt planen und unnötige Ausgaben vermeiden.

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