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Anschlussfinanzierung: Wie lange dauert es?

Wie lange dauert eine Anschlussfinanzierung wirklich? Von der ersten Planung bis zur Auszahlung – was Sie wann beachten sollten, erklärt dieser Ratgeber Schritt für Schritt.

6 min Lesezeit
Anschlussfinanzierung: Wie lange dauert es?

Wenn die Zinsbindung Ihres Immobiliendarlehens ausläuft, steht die Anschlussfinanzierung an. Doch viele Eigentümer fragen sich: Wie lange dauert es eigentlich, bis die neue Finanzierung steht und die alte Restschuld abgelöst ist? Die Antwort ist: Es hängt von vielen Faktoren ab – von der Planung bis zur Auszahlung können mehrere Monate vergehen. In diesem Ratgeber zeigen wir, welche Zeitspannen realistisch sind, was Sie wann tun sollten und wie Sie Verzögerungen vermeiden.

Was ist eine Anschlussfinanzierung?

Eine Anschlussfinanzierung ist die Weiterfinanzierung der Restschuld Ihres Immobiliendarlehens, wenn die Zinsbindung endet. Das bestehende Darlehen wird durch ein neues abgelöst, das zu neuen Konditionen – also mit neuem Zinssatz, neuer Laufzeit und eventuell anderer Tilgung – läuft. Bleiben Sie bei Ihrer bisherigen Bank, spricht man von einer Prolongation. Wechseln Sie zu einem anderen Kreditgeber, handelt es sich um eine Umschuldung.

Wichtig ist: Die Anschlussfinanzierung setzt genau da an, wo die Erstfinanzierung aufhört – bei der noch offenen Restschuld. Ziel ist es, diese Restschuld zu günstigeren Konditionen weiter zu tilgen oder zumindest die monatliche Belastung zu planen. Dabei spielen Zinsen, Tilgungssatz, Laufzeit und Sondertilgungsmöglichkeiten eine zentrale Rolle.

Zeitplan: Von der ersten Planung bis zur Auszahlung

Die Dauer einer Anschlussfinanzierung lässt sich in mehrere Phasen einteilen: Planung, Angebotsvergleich, Antragstellung, Prüfung durch die Bank und schließlich Auszahlung. Insgesamt können von der ersten Recherche bis zur Auszahlung des neuen Darlehens mehrere Monate vergehen – je nachdem, ob Sie bei Ihrer Bank bleiben oder wechseln und wie komplex Ihre Finanzsituation ist.

Viele Experten empfehlen, sich bereits zwei bis drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung mit der Anschlussfinanzierung zu beschäftigen. In dieser Phase geht es vor allem um eine Bestandsaufnahme: Wann endet die Zinsbindung genau? Wie hoch ist die Restschuld? Wie hat sich Ihr Einkommen entwickelt? Erst danach folgt der eigentliche Vergleich von Angeboten und der Abschluss des neuen Darlehens.

Wie lange dauert die Planung?

Die Planungsphase beginnt idealerweise zwei bis fünf Jahre vor Ende der Zinsbindung. In dieser Zeit sollten Sie Ihre aktuelle finanzielle Situation überprüfen und klären, ob Sie sich höhere Monatsraten leisten können oder ob Sie die Tilgung beschleunigen möchten. Auch Fragen wie etwaige KfW-Darlehen, Nebenkredite oder geplante Umbauten oder Sanierungen spielen eine Rolle.

Typische Schritte in der Planungsphase:

  • Bestandsaufnahme: Zinsbindungsende, Restschuld, Tilgungsstand und Konditionen des bestehenden Darlehens ermitteln.
  • Überprüfung der eigenen finanziellen Lage: Einkommen, Ausgaben, mögliche zukünftige Veränderungen wie Gehaltserhöhungen oder Erbschaften.
  • Entscheidung über gewünschte Laufzeit und Tilgungssatz für die Anschlussfinanzierung.
  • Prüfung, ob ein Forward-Darlehen sinnvoll ist, um Zinsen frühzeitig zu sichern.
  • Erstkontakt mit der Hausbank oder einem Finanzvermittler, um grobe Angebote einzuholen.

Diese Phase dauert in der Regel keine festen Wochen, sondern ist eher ein kontinuierlicher Prozess, der über Monate bis Jahre läuft. Entscheidend ist, rechtzeitig zu starten, um nicht in Zeitdruck zu geraten, wenn die Zinsbindung tatsächlich ausläuft.

Vergleich und Angebotsphase

Etwa sechs bis zwölf Monate vor Ablauf der Zinsbindung empfiehlt es sich, konkrete Angebote für die Anschlussfinanzierung einzuholen. In dieser Phase werden Konditionen verschiedener Banken verglichen – Zinssatz, Tilgungssatz, Laufzeit, Sondertilgungsmöglichkeiten und eventuelle Gebühren.

Wichtige Punkte beim Vergleich:

  • Vergleichbare Konditionen wählen: gleiche Darlehenshöhe, ähnliche Laufzeit und Tilgungssatz.
  • Achten auf Flexibilität: Sondertilgungsmöglichkeiten ohne Aufpreis, Anpassung der Tilgung oder vorzeitige Kündigung.
  • Berücksichtigung von KfW-Darlehen oder anderen Förderkrediten, die in die Anschlussfinanzierung eingebunden werden müssen.
  • Prüfung der Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit, nicht nur der monatlichen Rate.
  • Einholen von Angeboten sowohl bei der Hausbank als auch bei mindestens zwei bis drei weiteren Anbietern.

Die Angebotsphase kann je nach Aufwand und Anzahl der Banken einige Wochen bis wenige Monate dauern. Wer frühzeitig beginnt, hat mehr Zeit, Angebote zu vergleichen und gegebenenfalls nachzuverhandeln.

Antragstellung und Prüfung durch die Bank

Nach Auswahl eines Angebots folgt die Antragstellung. Hier müssen in der Regel aktuelle Unterlagen eingereicht werden: Einkommensnachweise, Darlehensstand, Restschuldhöhe, ggf. Grundbuchauszug und andere Unterlagen zur Immobilie. Die Bank prüft dann Ihre Bonität, die Immobilie und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der neuen Finanzierung.

Die Dauer der Prüfung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Komplexität der Finanzsituation: mehrere Kredite, Nebenkredite oder KfW-Darlehen verlängern die Prüfung.
  • Umfang der Unterlagen: fehlende oder unvollständige Unterlagen führen zu Nachfragen und Verzögerungen.
  • Bankinternes Verfahren: manche Institute arbeiten schneller, andere benötigen mehr Zeit für interne Freigaben.
  • Zeitpunkt der Antragstellung: in Hochphasen (z.B. viele Zinsbindungen laufen gleichzeitig aus) kann es zu Engpässen kommen.

In der Regel können von der Antragstellung bis zur Zusage mehrere Wochen vergehen, im Extremfall bis zu zwölf Wochen oder länger. Wer bei der Hausbank bleibt, hat oft einen Vorteil: Unterlagen liegen bereits vor, und die Prüfung ist in der Regel schneller.

Auszahlung und Ablösung des alten Darlehens

Nach Zusage des neuen Darlehens folgt die Auszahlung. In der Regel wird der Betrag zum vereinbarten Zeitpunkt ausgezahlt und das bestehende Darlehen abgelöst. Ab diesem Zeitpunkt zahlen Sie die monatlichen Raten gemäß den neuen Konditionen.

Wichtige Aspekte bei der Auszahlung:

  • Startzeitpunkt: Die Anschlussfinanzierung kann direkt nach Ablauf der Zinsbindung beginnen oder mit einer gewissen Verzögerung, je nach Vereinbarung.
  • Bereitstellungszinsen: Beginnt die Anschlussfinanzierung erst nach einigen Monaten, können Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Betrag anfallen.
  • Forward-Darlehen: Mit einem Forward-Darlehen können Zinsen bis zu fünf bis sechs Jahre im Voraus gesichert werden; die ersten Monate bis zum Start sind oft aufschlagfrei.
  • Ablösung des alten Darlehens: Die Bank übernimmt in der Regel die Abwicklung mit dem bisherigen Kreditgeber, sodass Sie sich nicht selbst um die Rückzahlung kümmern müssen.

Die Auszahlung selbst erfolgt in der Regel innerhalb weniger Tage nach Zusage, sofern alle Unterlagen vollständig sind. Der gesamte Prozess von der Antragstellung bis zur Auszahlung kann daher je nach Situation einige Wochen bis wenige Monate dauern.

Prolongation vs. Umschuldung: Was dauert länger?

Bei einer Prolongation verlängern Sie Ihr bestehendes Darlehen bei der Hausbank. Unterlagen liegen bereits vor, und die Prüfung ist in der Regel schneller. Dadurch kann die Prolongation oft in wenigen Wochen abgeschlossen werden. Allerdings sind die Konditionen häufig weniger günstig als bei einer Umschuldung zu einem anderen Kreditgeber.

Bei einer Umschuldung wechseln Sie zu einem neuen Kreditgeber. Hier müssen in der Regel neue Unterlagen eingereicht und eine vollständige Bonitätsprüfung durchgeführt werden. Das kann mehrere Wochen bis Monate dauern, bietet aber oft bessere Konditionen. Entscheidend ist, frühzeitig zu starten, um genügend Zeit für den Wechsel zu haben.

Forward-Darlehen: Zinsen frühzeitig sichern

Mit einem Forward-Darlehen können Sie Zinsen für Ihre Anschlussfinanzierung bereits bis zu fünf bis sechs Jahre im Voraus sichern. Das bietet Planungssicherheit, falls die Zinsen steigen. Allerdings fallen in der Regel Zinsaufschläge für die Zeit bis zum Beginn der Anschlussfinanzierung an.

Wichtige Punkte bei Forward-Darlehen:

  • Zinsaufschlag: Die Zinsen für die Zeit bis zum Start der Anschlussfinanzierung sind in der Regel höher als die späteren Zinsen.
  • Aufschlagfreie Zeiten: Die ersten drei Monate bis zum Start sind oft aufschlagfrei; manche Banken bieten längere aufschlagfreie Zeiten.
  • Flexibilität: Forward-Darlehen bieten Planungssicherheit, können aber weniger flexibel sein als eine spätere Anschlussfinanzierung.
  • Kosten: Neben Zinsaufschlägen können auch Gebühren für die Absicherung der Zinsen anfallen.

Forward-Darlehen eignen sich vor allem für Eigentümer, die sichergehen wollen, dass sie bei steigenden Zinsen nicht überrascht werden. Die Dauer der Absicherung kann bis zu fünf bis sechs Jahre betragen, was eine lange Planungssicherheit bietet.

Fazit

Die Dauer einer Anschlussfinanzierung hängt von vielen Faktoren ab – von der Planung bis zur Auszahlung können mehrere Monate vergehen. Wer frühzeitig beginnt, hat mehr Zeit, Angebote zu vergleichen und die besten Konditionen zu finden. Entscheidend ist, sich bereits zwei bis drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung mit der Anschlussfinanzierung zu beschäftigen und nicht in Zeitdruck zu geraten. Ob Prolongation, Umschuldung oder Forward-Darlehen – jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Mit einer sorgfältigen Planung und frühzeitigen Vorbereitung können Sie sicherstellen, dass Ihre Anschlussfinanzierung reibungslos verläuft und Ihre Restschuld zu günstigen Konditionen weitergetilgt wird.

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