Auswirkungen des Handwerkermangels auf Bauunternehmen und Projektentwickler
Der anhaltende Fachkräftemangel im Bauhandwerk erhöht das Insolvenzrisiko für Bauträger und Projektentwickler, da er Bauzeitverlängerungen und ungeplante Kostensteigerungen nach sich zieht.

Laut Analysen von DIP-Partner Aengevelt Immobilien trägt der Personalmangel im Bauhandwerk maßgeblich zum erhöhten Insolvenzrisiko bei Bauträgern und Projektentwicklern bei. Die Problematik verschärft sich in einem ohnehin anspruchsvollen Marktumfeld, da Handwerksbetriebe aufgrund fehlender Fachkräfte häufig Bauzeiten verlängern müssen oder unvorhergesehene Kosten verursachen. Dies kann die Präzision knapp kalkulierter Termin- und Liquiditätsplanungen maßgeblich beeinträchtigen.
In den letzten drei Jahren haben in Deutschland 1.230 Bauträger Insolvenz angemeldet, was einem Viertel der aktuell 4.972 aktiven Unternehmen entspricht. Dieser Trend setzt sich fort. Die Stilllegung der Elbtower-Baustelle durch die Signa-Gruppe verdeutlicht die aktuelle Situation in prominenter Weise. Aus Kreisen involvierter Anwaltskanzleien wird berichtet, dass die Gründe für diese Zunahme vielfältig sind. Hierzu zählen das bereits 2022 gestiegene Zinsniveau, unzureichende oder zu optimistische Liquiditätsplanungen, sowie zunehmend eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten aufgrund gesunkener Buchwerte. Eine wachsende Rolle spielen zudem Bauzeitverlängerungen, die direkt auf den Mangel an Handwerkern zurückzuführen sind.
Fachkräftemangel im Bauhandwerk
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt, dass in den Sektoren „Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe“ über 41.000 Fachkräfte fehlen. Das Baugewerbe ist damit nach dem Gesundheitswesen die Branche mit dem zweitgrößten Fachkräftemangel in Deutschland. Dies betrifft verschiedene Gewerke in signifikanter Weise.
- —Bauelektrik: Ein Bedarf von 18.000 Fachkräften.
- —Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Ein Mangel von 12.000 Fachkräften.
- —Metallbau: Ein Defizit von 7.000 Fachkräften.
- —Holz-, Möbel- und Innenausbau: 3.700 unbesetzte Stellen.
Der Personalengpass führt dazu, dass Handwerksbetriebe gezwungen sind, Aufträge abzulehnen, längere Wartezeiten zu generieren oder zugesagte Termine nicht einzuhalten. In einigen Regionen kann die Wartezeit für einen Elektriker oder Dachdecker über ein Jahr betragen. Für Bauträger resultieren daraus primär folgende Herausforderungen: die Notwendigkeit, überhöhte Preise zu akzeptieren, um überhaupt Fachkräfte zu finden, der Rückgriff auf Betriebe aus anderen Regionen oder dem Ausland, was Qualitäts- und Terminrisiken bergen kann, sowie erhebliche Bauzeitverlängerungen. Letzteres führt zu erhöhten Vor- und Zwischenfinanzierungskosten und kann den Abverkauf von Objekten negativ beeinflussen.
Lösungsansätze und Handlungsempfehlungen
Bei einer bereits angespannten Liquiditätsplanung können solche Herausforderungen zu einer Insolvenz führen. Die branchenübliche Verflechtung von Objektgesellschaften kann zudem Dominoeffekte auslösen. Im Falle einer Bauherreninsolvenz haben ausführende Unternehmen oft die Möglichkeit, Verträge zu lösen und Baustellen zu verlassen, was Rettungsbemühungen zusätzlich erschwert.
Aengevelt Immobilien leitet aus dem strukturell gestiegenen Insolvenzrisiko die Empfehlung ab, dass Bauträger eine noch umfassendere Termin- und Liquiditätsplanung implementieren sollten. Diese Planung sollte einen rollierenden Zeithorizont von mindestens 24 Monaten abdecken und der Früherkennung von Krisen dienen. Sie muss zudem die Verfügbarkeit von Handwerksleistungen berücksichtigen und präventiv für jedes Gewerk ein zusätzliches Unternehmen als Back-up einplanen.
Dr. Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien, unterstreicht die Komplexität der Situation. Er betont, dass das wirtschaftliche Umfeld für Bauträger und Entwickler durch globale Krisen, Zinsentwicklungen und Immobilienpreise bereits erheblich herausfordernd sei. Der nun hinzukommende, schon länger prognostizierte Fachkräftemangel treffe das Bauhandwerk besonders. Er schlägt vor, dass vorausschauende Planungen mit krisenadäquaten Termin- und Liquiditätspuffern dem Insolvenzrisiko entgegenwirken können. Er fügt hinzu, dass große Bestandshalter bereits eigene Handwerksbetriebe etablieren, um die Abhängigkeit vom externen Markt zu reduzieren. Für Bauträger und Entwickler sei eine solche Lösung aufgrund der erhöhten Volatilität ihres Geschäftsmodells jedoch schwieriger umzusetzen.
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