Real Asset Finance & Debt Summit: Sachwerte-Finanzierung unter externen Schocks
Der diesjährige Real Asset Finance & Debt Summit in Berlin thematisierte vor rund 130 Gästen die Herausforderungen für die Sachwerte-Finanzierung in einem von externen Schocks geprägten Umfeld.

Am 23. April 2026 versammelten sich rund 130 Gäste in Berlin zum Real Asset Finance & Debt Summit, einer gemeinsamen Veranstaltung von BF.direkt, IREBS und RUECKERCONSULT. Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG, resümierte die Entwicklung des Kongresses, der ursprünglich in Frankfurt begann und zwischenzeitlich nach Berlin verlagert wurde. Die Namensänderung von „Jahreskongress Finanzierung für die Real Estate Industry“ zum „Real Asset Finance & Debt Summit“ sowie die Erweiterung des Themenspektrums um Debt und Infrastruktur bereits im Vorjahr spiegeln die Anpassung an veränderte Marktbedingungen wider.
Professor Dr. Steffen Sebastian, Beiratsvorsitzender des Summits und Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der IREBS, attestierte dem aktuellen Finanzierungsumfeld eine hohe Komplexität. Die Einschätzung des Marktes bedürfe aktueller militärischer und geopolitischer Kenntnisse. Er hob zudem hervor, dass die Prognose des Verhaltens des US-amerikanischen Präsidenten eine zusätzliche Unsicherheit darstelle. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwarte nach den Entwicklungen an den Bondmärkten eine Steigerung sowohl der langfristigen als auch der kurzfristigen Zinsen. Parallel dazu werde eine Abschwächung der Konjunktur infolge höherer Energiepreise prognostiziert.
Prof. Dr. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), betonte in seiner Keynote die Position Europas in der Weltwirtschaft. Er beschrieb Europa als „Sandwich-Position“ zwischen den USA und China, was eine verstärkte europäische Einheit erfordere, deren Herstellung er jedoch als unproblematisch einschätzte. Professor Dr. Andreas Löschel, Inhaber des Lehrstuhls für Umwelt-/Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum und Wissenschaftler am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, ergänzte dies mit Hinweisen auf strukturelle Herausforderungen im Inland. Dazu zählten unzureichende öffentliche und schwache private Investitionen sowie stagnierende Arbeitsstunden. Er hob zudem hervor, dass der europäische Energiemarkt von geopolitischen Spannungen und Schocks stark beeinflusst werde, was eine Erhöhung der Resilienz in der Energieversorgung notwendig mache.
Herausforderungen in Finanzierung und Transformation
Die Referenten beleuchteten ferner die Finanzierung der Verteidigungsinfrastruktur. Jörg Hingott vom Bundesministerium der Verteidigung erläuterte die Auslastung des Sondervermögens für Rüstungsausgaben. Es wurde diskutiert, welche Rolle die private Immobilienwirtschaft beim Ausbau der Rüstungsinfrastruktur übernehmen kann. Teilnehmer dieser Diskussion waren Martin Czaja, Geschäftsführer der GARBE Insite GmbH, sowie Prof. Dr. Alexander von Erdély, Sprecher des Vorstands der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), moderiert von Karsten Mieth, Geschäftsführer von KINGSTONE Infrastructure Investments.
Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war das Verhältnis zwischen Banken und alternativen Finanzierern, wie Debt Funds. Frank Müller und Christoph Coenen von McDermott Will & Schulte Rechtsanwälte Steuerberater LLP analysierten die Unterschiede in der Regulierung. Bankenregulierung fokussiere auf die Systemstabilität, während Fondsregulierung primär dem Anlegerschutz diene. Dies führe dazu, dass Banken tendenziell Senior-Tranchen übernähmen, während Fonds von Mezzanine-Krediten zunehmend zu Whole Loans übergingen. Die Diskussionsrunde mit Claudia Hard von Greenberg Traurig Germany, LLP, Heiko Maaß von der Berlin Hyp und Eugenio Sangermano von der BF.capital GmbH hob hierbei das sogenannte Back Leverage bei angelsächsischen Immobilienkreditfonds als einflussreichen Faktor hervor.
Die steigende Zahl restrukturierungsbedürftiger Immobilienfinanzierungen als Folge des Endes der Niedrigzinsphase wurde ebenfalls behandelt. Carsten Demmler von der HIH Invest, René Doeubler von Drees & Sommer sowie Frank Schrader von der Deutschen Hypo – NORD/LB Real Estate Finance diskutierten die Gestaltungsspielräume für Kreditnehmer und -geber, moderiert von Annette Benner, Partnerin bei GT Restructuring und Managing Partner bei der Nova Fides GmbH. René Doeubler wies auf ein Bewusstseinsdefizit hinsichtlich der multiplen Krisensituation hin. Carsten Demmler veranschaulichte anhand der Projekte Salut Potsdam und Koryfeum bei München praktische Restrukturierungsansätze.
Nachhaltigkeit im Immobiliensektor
Eine Mammutaufgabe stelle die Transformation des Immobilienbestands dar, angesichts der Tatsache, dass der Gebäudesektor in Deutschland für 30 bis 40 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Mit dem Ziel der Klimaneutralität Deutschlands bis 2045 steht die Immobilienbranche vor erheblichen Herausforderungen. Banken sehen sich regulatorischem Druck ausgesetzt, die Energieeffizienz der besicherten Immobilien bei der Kreditvergabe stärker zu berücksichtigen. Diskutiert wurde, inwieweit sich die Anforderungen der Banken an die Energieeffizienz wandeln und ob am Markt bereits niedrigere Zinsen für sogenannte „grüne Immobilien“ verfügbar sind.
Ihre Immobilie — richtig bewertet.
Sie möchten wissen, was Ihre Immobilie in der aktuellen Marktphase wirklich wert ist? Eine erste Einschätzung erhalten Sie innerhalb von 48 Stunden.


