ICG veröffentlicht Praxishandreichung zur Transformation kirchlicher Immobilien
Das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) hat eine neue Praxishandreichung publiziert, die einen interdisziplinären Handlungsfahrplan für die Transformation kirchlicher Liegenschaften darstellt.

Das Institut für Corporate Governance in der deutschen Immobilienwirtschaft (ICG) hat im Rahmen seiner Social Impact Investing Initiative (SII) die Publikation „Kirche im Prozess“ vorgestellt. Diese erstmalig veröffentlichte Handreichung bietet einen strukturierten Handlungsfahrplan für die Neuausrichtung kirchlicher Immobilien. Die Initiative leistet damit einen Beitrag zur Stärkung des "S" in der ESG-Kategorisierung, indem sie die sozialen Aspekte der Immobiliennutzung stärker in den Fokus rückt.
Kirchliche Immobilienbestände stehen aufgrund sinkender Mitgliederzahlen, steigender Betriebskosten und veränderter gesellschaftlicher Anforderungen vor signifikanten Transformationsprozessen. Gleichzeitig bekundet die Immobilienwirtschaft ein wachsendes Interesse an der nachhaltigen Weiterentwicklung dieser Liegenschaften im Sinne des Social Impact Investing. In Deutschland existieren rund 160.000 kirchliche Gebäude, darunter etwa 44.469 Sakralbauten und 30.508 Kirchen. Von diesen Kirchen gelten lediglich 13.871 als langfristig wirtschaftlich unterhaltbar, was einen erheblichen Teil des Bestands vor grundlegende Entscheidungsfindungen stellt.
Strukturierte Ansätze für soziale Wirkung
Werner Knips, Gründer der Social Impact Investing Initiative und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des ICG, erläuterte, dass die Initiative die Grundlage geschaffen habe, um das "S" der ESG-Kriterien sichtbar, messbar und bewertbar zu machen. Insbesondere bei kirchlichen Immobilien gehe es darum, soziale und gesellschaftliche Wirkung mit der ökonomischen Tragfähigkeit zu verbinden und Kooperationsformen zu etablieren, die diesen Anforderungen gerecht werden. Die Veröffentlichung baut auf den Ergebnissen des ICG Round Table Sakralbau auf, an dem Fachleute aus den Bereichen Kirche, Immobilienwirtschaft, Wissenschaft und Beratung mitwirkten.
Ziel der Arbeitsgruppe war die Erstellung einer praxisnahen Anleitung, die sowohl kirchlichen Entscheidungsträgern als auch Projektentwicklern Orientierung bietet. Ein mehrstufiger Prozess steht dabei im Mittelpunkt, von der Grundlagenermittlung über die Evaluierung des Social Impacts bis zur gemeinsamen Entscheidungsfindung. Die immateriellen Werte wie Identität, Gemeinschaft und kulturelle Bedeutung, welche für kirchliche Immobilien von zentraler Bedeutung sind, werden dabei besonders berücksichtigt.
Johann Weiß, wissenschaftlicher Leiter des Round Table Sakralbau sowie Doktorand der IRE|BS und wissenschaftlicher Mitarbeiter der DFG-Forschungsgruppe TRANSARA, betonte, dass kirchliche Bauwerke über ihren reinen Immobilienwert hinausgingen. Deren Transformation erfordere neben ökonomischem Sachverstand ein tiefgreifendes Verständnis für ihren sozialen und kulturellen Wert. Tragfähige und sozial wirksame Zukunftsperspektiven entstünden erst, wenn diese Dimensionen in einem strukturierten, werteorientierten und interdisziplinären Dialog zusammengeführt würden.
Jannika Lange, Geschäftsführerin des Evangelischen Immobilienverbands Deutschland (eid), ergänzte, dass die Transformation kirchlicher Immobilien nicht ausschließlich eine bauliche oder wirtschaftliche Aufgabe darstelle, sondern vornehmlich einen gesellschaftlichen Aushandlungsprozess. Sie forderte klare Strukturen, transparente Entscheidungswege und eine frühzeitige Beteiligung, um Lösungen zu entwickeln, die sowohl den kirchlichen Werten als auch den Anforderungen der Immobilienwirtschaft entsprechen.
Die Handreichung zielt darauf ab, durch ihre Prozessdarstellung Unsicherheiten zu reduzieren, Entscheidungsprozesse transparent zu gestalten und neue Partnerschaften zwischen kirchlichen Institutionen und der Immobilienwirtschaft zu initiieren. Damit leistet sie einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Social Impact Investing als Kernbestandteil einer nachhaltigen Immobilienwirtschaft.
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