Mögliche Zinsdivergenz zwischen EZB und Fed beeinflusst Marktentwicklung
Raphael Thuin von Tikehau Capital analysiert die potenziellen Auswirkungen unterschiedlicher Zinsentscheidungen von EZB und Fed auf regionale Märkte und die europäische Performance.

Raphael Thuin, Head of Capital Market Strategies bei Tikehau Capital, hat die bevorstehenden Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-amerikanischen Federal Reserve (Fed) sowie deren mögliche Implikationen für die regionalen Kapitalmärkte beleuchtet. Im Fokus seiner Analyse steht die Annahme einer potenziellen geldpolitischen Divergenz im Verlauf des Jahres, bei der die Fed Zinssenkungen vornehmen könnte, während die EZB ihren Einlagenzinssatz anheben würde.
Diese divergierenden Entwicklungen resultieren aus unterschiedlichen Ausgangslagen der beiden Zentralbanken. Die EZB operiert in einem Umfeld, in dem die Inflation in Europa vor dem Konflikt im Iran rückläufig war, das Lohnwachstum sich moderiert und eine importierte Disinflation aus China registriert wird. Die Geldpolitik der EZB wird in diesem Kontext als nahezu neutral eingeschätzt. Demgegenüber sieht sich die USA trotz einer jüngsten Abkühlung weiterhin mit Inflationsdruck konfrontiert, der unter anderem durch Zölle und einen robusten Arbeitsmarkt bedingt ist.
Auswirkungen auf Markt und Euro
Sollte die Fed die Zinsen senken und die EZB diese gleichzeitig anheben, würde dies ungeachtet der jeweiligen Ausgangsbedingungen eine relative Annäherung der Geldpolitik darstellen. Thuin weist allerdings darauf hin, dass die weiteren geldpolitischen Schritte der Zentralbanken maßgeblich von der Entwicklung der Energiepreise, insbesondere angesichts der Spannungen im Nahen Osten, sowie von der Bereitschaft abhängen, vorübergehende Inflationsschocks zu tolerieren, ohne überzureagieren. Eine signifikante Ausweitung der geldpolitischen Kluft über die aktuellen Erwartungen hinaus, sprich eine Vergrößerung des Zinsunterschieds, könnte sich als negativer Faktor für die europäischen Märkte erweisen und gleichzeitig einen Aufwärtsdruck auf den Euro gegenüber dem US-Dollar ausüben.
Eine bereits beobachtete Underperformance Europas gegenüber den US-amerikanischen und japanischen Aktienmärkten wird teilweise geopolitischen Faktoren zugeschrieben. Dieser Trend wurde durch den Iran-Konflikt verstärkt, nachdem zuvor eine Phase relativer Outperformance der europäischen Indizes zu verzeichnen war. Die europäische Underperformance erklärt sich primär durch zwei Effekte: Energieimportierende Länder und Regionen haben aufgrund des Konflikts schlechter abgeschnitten, und zyklischere Marktsegmente zeigten eine geringere Leistung.
Erwartungen bei Normalisierung der Rahmenbedingungen
Tikehau Capital geht davon aus, dass bei einer Normalisierung der Bedingungen im Nahen Osten die Fundamentaldaten einer Rotation hin zu Europa und einem stärkeren zyklischen Engagement weiterhin ihre Gültigkeit behalten und die Underperformance sich reduzieren oder umkehren könnte. Es wird jedoch betont, dass eine potenziell übermäßig restriktive geldpolitische Kursänderung durch die EZB die europäische Performance beeinträchtigen könnte. Die weitere Entwicklung wird somit von der umsichtigen Steuerung der Geldpolitik im Kontext volatiler geopolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen abhängen.
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